Die Großen Billardkünstler Ihrer Zeit
Jeder der Karambolagemeister, von denen in diesem Band die Rede ist, hätte ohne Weiteres eine ausführliche, mehrbändige Biographie verdient. Die hier versammelten kurzen Essays werden ihnen kaum gerecht – wenn man ehrlich ist.
Doch ein erheblicher Teil der Informationen ist verloren gegangen – oder noch nicht digitalisiert und somit dem Zugriff weitgehend entzogen. Und das, was überhaupt erhalten geblieben ist, liegt verstreut in den unterschiedlichsten Quellen vor, oft auch noch in verschiedenen Sprachen.
Und dennoch: Es reicht. Es reicht, um die Spielstärke und das außergewöhnliche Können dieser Spieler sichtbar zu machen – vielleicht nicht vollständig, aber deutlich genug, um ihre Größe zu erahnen. Sämtliche hier wiedergegebenen Informationen beruhen auf zeitgenössischen Quellen – aus jener Zeit also, in der diese Meister lebten und auf dem grünen Tuch das vollbrachten, was man damals ohne Zögern als Kunst bezeichnete. Nicht umsonst nannte man sie Billardkünstler. Und selbst heute würden viele von ihnen, daran besteht wenig Zweifel, einen Platz unter den besten Karambolagespielern einnehmen.
Was der Leser hier in Händen hält, sind weder vollständige Biographien noch wissenschaftliche Untersuchungen, sondern vielmehr Essays und Skizzen – Texte, die einst in Zeitungen und Büchern des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts erschienen. Ein Teil stammt aus der Presse, darunter auch aus den Jahrgängen der Internationale Billard-Zeitung von 1899 bis 1901. Andere wurden vom Herausgeber aus dem Französischen übertragen, etwa aus dem Werk Professeurs et amateurs de billard von Adolphe de Beauvais (1881).
Die Texte wurden behutsam überarbeitet und an die heutige Grammatik angepasst. Einige sprachliche Eigenheiten und kleinere Anachronismen sind jedoch bewusst erhalten geblieben – nicht aus Nachlässigkeit, sondern um etwas vom Ton und vom Geist jener Zeit zu bewahren. Der Stil insgesamt wurde moderat modernisiert; allzu pathetische Wendungen und jene bisweilen überschwänglichen Formulierungen, die sowohl deutsche als auch französische Autoren damals so schätzten, sind hingegen zurückgenommen worden.
Die Reihenfolge der Spieler folgt schlicht dem Alphabet – nicht ihrer Bedeutung, nicht ihren Erfolgen und selbstverständlich unabhängig von ihrer Nationalität.
Es versteht sich von selbst, dass die hier versammelte Auswahl großer Karambolage-Meister keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Eine Enzyklopädie war nie beabsichtigt. Dieses Buch ist etwas anderes: ein Versuch, Erinnerung festzuhalten. Der Versuch, zumindest einen kleinen Teil jener Geschichte sichtbar zu machen, die heute in offenen Quellen kaum noch zugänglich ist.
Wenn es diesem Band gelingt, auch nur ein wenig Interesse an der Geschichte des Billards im Allgemeinen und des Karambolages im Besonderen neu zu wecken, dann hat er seinen Zweck erfüllt.